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„Die Frage für mich war: Warum nicht?“

Platz ab Sommer frei: Freiwilliges Soziales Jahr im DRK-Hospiz

In ein paar Wochen ist für Leonie das FSJ beendet - was sie mitnimmt, ist der 19-Jährigen sehr bewusst: „Mir ist hier neben der hauswirtschaftlichen und pflegerischen Tätigkeit glasklar geworden, wie wertvoll mein Leben ist, auch wenn das klingt wie ein Kalenderspruch. Ich habe gemerkt, dass ich gut mit dem Tod umgehen kann, dass ich die Belastung verkrafte und zugleich sensibel bleibe. Der Tod ist hier nicht immer das zentrale Thema und jeder Gast entscheidet, ob wir darüber sprechen oder nicht.“
Was eigentlich als Überbrückung bis zum Beginn der Ausbildung zur Ökotrophologin gedacht war, änderte sich für Leonie durch ein FSJ im DRK-Hospiz: „Ich weiß jetzt, dass ich beruflich in den pflegerischen Bereich gehen und nicht Diätassistentin werden möchte“, erklärt sie. Deshalb steht ab Herbst der nächste Schritt, eine Pflege-Ausbildung mit dualem Studium im Krankenhaus Winsen, an.
Fällt das Stichwort „Pflege“, dann lächelt Leonie und ihre grau-blauen Augen strahlen gleich mit: „Ich mag medizinische Themen, ich mag es, nahe am Patienten zu sein, ihm fachlich zu helfen“, erklärt sie. Deshalb wird sie in den kommenden Wochen in diesem Bereich noch mehr Praxiserfahrung sammeln.
Als FSJ-lerin ist sie aber auch mit den Hauswirtschafts-Kolleginnen im täglichen Kontakt. Denn im Hospiz wird in einer offenen Küche für die 12 Gäste und ihre Angehörigen alles selbst gekocht. „Essen ist ein wichtiges Thema und Spaß am Kochen und Backen sollte man schon mitbringen“, erklärt Leonie. „Wir bereiten jeden Tag zu, was die Gäste sich wünschen, am beliebtesten ist Hausmannskost. Und jeden Tag backen wir Kuchen!“
Blickt sie zurück, dann sind es zwei Situationen, an die sie sich besonders erinnert: Die eine war, noch bevor alles losging. „Meine Eltern waren überrascht, als ich das Hospiz für ein FSJ in Erwägung zog und fragten mich: Warum? Die Frage für mich war: Warum nicht? Wir sind doch alle froh, diese Hilfe zu bekommen, wenn wir sterbenskrank sind. Diese Hilfe muss gegeben werden, also müssen Menschen da sein, die das leisten.“
Dass sie selbst vor kurzem auch für eine schwerkranke Frau da sein konnte, hat sie als positiv empfunden. „Ich saß nur an ihrem Bett und habe ihre Hand gehalten. Sie wollte, dass ich bleibe. Zu wissen, dass sie das brauchte und ich das geben konnte, macht mich froh. Sie starb in der nächsten Nacht.“
Wie wichtig die FSJ-ler im Hospiz sind, betont Britta True, Leiterin des Hauses. „Für unsere Gäste und uns sind diese jungen Menschen eine echte Ergänzung des Teams. Sie begeistern durch ihre Offenheit, ihre Energie, sie sind unvoreingenommen. Das strahlt auf alle ab.“

INFO:
- Für viele jüngere Menschen ist das FSJ ein Einstieg in einen sozialen Beruf.
- Das DRK bietet bundesweit rund 12.000 FSJ-Plätze an.
- Die Arbeitszeit beläuft sich in der Regel auf 38,5 Stunden wöchentlich, Samstagsdienste im Hospiz sind alle 14 Tage.
- Freiwillige werden während ihres Dienstes vom DRK kranken-, renten- und unfallversichert. Der Träger für das FSJ im Hospiz sind die Freiwilligendienste Hamburg.
- Wer ein FSJ abgeleistet hat, darf bei der Studienplatzvergabe nicht benachteiligt werden. Ein FSJ kann als Wartezeit geltend gemacht werden.
- Das FSJ gilt als ehrenamtliche Tätigkeit ohne Gehalt, es gibt aber ein Taschengeld.
- Für Bewerbungen im DRK-Hospiz bitte Kontakt aufnehmen zu: Britta True, Tel. 040/ 33 42 41 612, Mail b.true@drk-hospiz.hamburg

Mehr Informationen unter:
www.hospiz-harburg.de
www.freiwilligendienste-hamburg.de

Bildunterschrift:
Leonie beendet ihr FSJ im Hospiz in wenigen Wochen. Wer kann sich vorstellen, ihr nachzufolgen?


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